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5 Fragen an
Lars Behrendt

Wir sprechen mit unserem Keynote-Speaker der BUS2BUS 2022, Lars Behrendt, CEO der Innovationsagentur Granny&Smith, über seine Sicht auf Mobilität und Verkehr und was Innovation für ihn bedeutet.

Lars Behrendt
Lars Behrendt

Du bist studierter Diplom-Ingenieur und arbeitest jetzt vorwiegend im Bereich Innovationen. Welchen Bezug hast Du zum Thema Mobilität?

Ganz knapp gesagt: Ich liebe Bewegung, Agilität und Schnelligkeit und hasse Staus und Stillstand. Auf der anderen Seite liebe ich Herausforderungen und Alltag langweilt mich. Deshalb haben wir mit unserer Innovationsagentur Granny&Smith auch unzählige neue Konzepte für Mobilitätsanbieter wie BMW, Volkswagen und vieles mehr entwickelt. Wir haben beispielsweise die Volkswagen Gruppe dabei unterstützt, den Algorithmus-basierten Taxi-Bus-Dienst „MOIA“ auf die Straße zu bringen. Auch AUDI haben wir dabei geholfen, das autonome Fahren auf die Straße zu bringen, indem wir schon vor fünf Jahren zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Olaf Scholz die ersten autonomen Fahrzeuge in Hamburg eingeführt haben. Interessanterweise ist es gerade in letzter Zeit etwas ruhiger geworden in der klassischen Automobilbranche. Hingegen treten die Fahrrad- sowie Freizeitbranche plötzlich mehr und mehr als neue Innovationstreiber in diesem Sektor hervor – etwas, womit ich so nie gerechnet hätte.

Mit welchem Transportmittel bewegst Du Dich am liebsten fort? Und warum?

Ich bin mobil, seit ich zwei bis drei Jahre alt bin: BMX, Mountainbike und seit meinem 18. Lebensjahr bin ich leidenschaftlicher Offroad-Motorradfahrer. Ich liebe es, neue Wege zu erschließen oder dort zu fahren, wo noch nie jemand zuvor mit dem Motorrad unterwegs war. Ich liebe es, Berge zu erklimmen, Herausforderungen zu meistern, Technik zu verbessern. Für mich ist Mobilität gleichbedeutend mit Emotionalität.

Was findest Du an der Busbranche spannend? Welchen Bereich findest du hier vielleicht sogar innovativ?

Ich glaube, dass hier unfassbar großes Potential brachliegt. Neue kundenzentrierte Geschäftsmodelle, neue Services, mehr Intelligenz, mehr Flexibilität und vor allem mehr Attraktivität sind hier meines Erachtens vonnöten. Heute verbinde ich mit Busfahren nicht unbedingt etwas, worauf ich mich brennend freue. Im Prinzip soll die Fahrt nur möglichst schnell vorbei gehen und mich von A nach B bringen, und zwar möglichst günstig. Aber genau hier ist für mich Platz für ganz neue Geschäftsmodelle und Erlösquellen. Hinzu kommt, dass Fliegen ökologisch immer weniger sinnvoll und vertretbar wird. Ich frage mich: Wo/wie/wann werden seitens der Busbranche echte, ernstzunehmende Alternativen entwickelt, welche diesen Sektor adressieren?

Die Corona-Pandemie hat das Leben und auch das Mobilitätsverhalten der meisten Menschen verändert. Was kann die Mobilitätsbranche aus den Erfahrungen der letzten zwei Jahre für die Zukunft lernen?

Was ich gelernt habe: Dinge können sich verdammt schnell ändern. Man muss vorbereitet sein, verschiedenste Geschäftsmodelle erproben, Neues testen. Es gilt dabei: Fahren auf Sicht. In einer Welt, in der sich immer alles wandelt, ist Wandlungsfähigkeit zur neuen Kernkompetenz und zum neuen Erfolgsrezept geworden. Wer stehen bleibt, wird überholt und abgehängt.

Wenn Du Dir etwas wünschen könntest, wie würdest Du Dich gern in Zukunft bewegen (lassen)?

Da habe ich eine ganz klare Vision. Ich spreche in meine Uhr und sage nur, wo ich hinmöchte. Dann kommt automatisch das passende Fortbewegungsmittel. Ich steige ein, es bringt mich dahin, wo ich möchte und ich steige aus. Fertig. Alles Weitere passiert im Hintergrund: Micropayment, Versicherung, Routenplanung, Entertainment, Sicherheit bis hin zur anlassbezogenen Auswahl des Fahrzeugs etc. ABER: Ich will auch weiterhin gerne in meiner Freizeit Mobilität als Spaß genießen können. Und ich weiß – das wird jetzt keiner von mir erwarten – für mich darf es ruhig qualmen, röhren und leben. Ich finde es sehr schade, dass die komplette Emotionalität von der Mobilität zunehmend getrennt wird: Macht man nicht. Ist nicht mehr zeitgemäß. Ich bin überzeugt: Hier liegt ein hohes nicht ausgeschöpftes Potential, welches vollkommen neu erschlossen werden kann. Mit neuen Konzepten, wie wir es schaffen, Mobilität wieder emotional zu einem Erlebnis zu machen – Zur Not auch ohne Qualm und Lärm.

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