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5 Fragen an Carolin Grötzinger

Carolin Grötzinger, Nachfolgerin von Birgit Grötzinger als Geschäftsführerin von Grötzinger Reisen und Vorstandsmitglied im WBO - Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer e.V..

Carolin Grötzinger
Carolin Grötzinger

Welche Bedeutung hat der Bus für Sie?

Die Bedeutung von Busreisen ist mir tatsächlich durch die Pandemie noch mal so richtig bewusst geworden: Menschen lieben die Gesellschaft und der Bus bedeutet Gesellschaft. An einem Ort kommen ganz unterschiedliche Menschen zusammen, die ein gemeinsames Ziel haben. Diese Geselligkeit und dieses fröhliche Miteinander haben den Bus schon immer geprägt.

Wir haben in der Pandemie gemerkt, dass etwas gefehlt hat, als wir uns nicht mehr austauschen und treffen konnten. Als Busunternehmer*innen haben wir das nicht nur privat, sondern auch beruflich gespürt, als die Busse in Summe etwa ein Jahr stillstanden. Sie waren nicht mehr mit Leben gefüllt. Wenn man unterwegs ist, gewinnt man neue Eindrücke, erweitert den Horizont. Durch den Austausch zwischen den Menschen entsteht dieses Lebendige. Das ist es, was den Bus ausmacht.

Welche Trends sehen Sie in der Busbranche? Was wird wichtig, um als Busunternehmer zu bestehen?

Es war, es ist und es wird wichtig sein, dass wir Sicherheit ausstrahlen. In jeglicher Hinsicht, aktuell natürlich mit besonderem Augenmerk auf der Eindämmung von möglichen Viren und dem Fokus auf die Gesundheit unserer Kund*innen. Wir sind momentan in Baden-Württemberg in der Warnstufe, haben seit dem 3. November 2021 wieder Einschränkungen. Wir spüren, dass die Fahrgäste verunsichert sind. Wo gilt 2G, wo 3G, bleibt die Maske auf, wer sitzt neben mir?

Die Intensität in der Beratung hat zugenommen. Es ist dadurch wesentlich persönlicher geworden, ich erfahre viel über die Gedanken der Kundinnen und Kunden. Durch die Corona-Pandemie hat sich das Reisen wieder individualisiert, viele Menschen haben sich ein Wohnmobil angeschafft oder sind mit dem Pkw gereist. Positiv wäre für uns, wenn die Impfungen Erfolg zeigen, denn mal abgesehen von der Pandemie gibt es noch immer die Klimadiskussion und es wäre es wichtig, dass der Bus da einen höheren Stellenwert bekäme.

Welche neuen Zielgruppen kann man erschließen, wo kann der Bus noch mehr punkten?

Ich sehe unsere Chancen bei Destinationen, die auf dem individuellen Reiseweg eher schwierig zu erreichen sind, zum Beispiel im Städtetourismus, bei Rundreisen und Aktivreisen. Wir setzen Gruppen an bestimmten Punkten ab, von dort aus können sie wandern oder mit dem Rad Strecken zurücklegen.

Der Bus bietet Flexibilität und Komfort, indem wir die Gruppe an einem anderen Ort wieder abholen. Ähnliches gilt für Reisen zu Wasser, die wir begleiten und für Ausflüge an Land den Bus nutzen.

Ihr Urgroßvater, Karl Grötzinger, hat Grötzinger Reisen bereits 1924 gegründet. Können Sie sich noch an Ihre ersten Berührungspunkte mit dem Unternehmen erinnern?

Das Erste, an das ich mich erinnere, ist, dass ich als Kind Busse putzen durfte. (lacht). Mein Urgroßvater hat immer gesagt: „Ordnung ist das halbe Leben.“ Das war sein Leitspruch. Neben Fahrten zur Schule bin ich aber auch in meiner Freizeit häufig im Bus mitgefahren. Da hatte ich Spaß dran.

Nun übernehmen Sie das Unternehmen. Auf dem aktuellen Foto vom Vorstand des WBO - Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer e.V. siehst man elf Herren – und Sie. Wie sehen Sie Ihre Rolle in dem Gefüge?

Ich bin zwar die einzige Frau im Vorstand, aber es gibt unheimlich viele Frauen, die in der Busbranche arbeiten. Die Betriebe ticken sehr weiblich und die Frauen der Männer, die dort auf dem Bild zu sehen sind, arbeiten zu ungefähr 80 Prozent in den Unternehmen. Es ist wichtig, dass wir Frauen mehr Raum bekommen.

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