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5 Fragen an Laura Abbate

Dem Bus gehört die Zukunft. Davon ist Laura Abbate, Produktdesign & User Experience Strategy bei White Octopus überzeugt. Er ist nachhaltig, flexibel, vielfältig und spontan einsetzbar und somit ein absolutes Multitalent.

Laura Abbate
Laura Abbate

Laura, schnelle und gut verfügbare Buslinien können Stadt und Land verbinden und so eine wirkliche Alternative zum Leben in der Stadt ermöglichen. Fallen Dir weitere Beispiele vielleicht auch für die Langstrecke ein?

Großes Potential für die Stadt und Land Verbindung bietet der Bus immer dann, wenn er gezielt Lücken im ÖV erschließt und miteinander verbindet. Dabei kann der Bus alle seine positiven Eigenschaften ausspielen. Der Bus bietet Flexibilität, denn er ist nicht an eine Schiene oder andere Systeme gebunden, er ist vielseitig einsetzbar, ob als Schulbus oder als Pendlerbus, er ist größentechnisch und wegetechnisch skalierbar und kann spontan abrufbar zu Verfügung stehen. Außerdem kann der Bus zwischen Stadt und Land viele weitere Funktionen übernehmen

Konkrete Einsatzfelder sehe ich im Bereich Güter und Warenverkehre. Da kann der Bus fehlende infrastrukturelle Services auf dem Land mit Busfahrten kombinieren. Sogenannte "Kombibus Ansätze“ kommen bereits in Brandenburg zum Einsatz. Leerfahrten können ebenfalls für andere Zwecke umfunktioniert werden. Ein weiteres konkretes Einsatzfeld sind Nachtfahrten. Eine Anreise mit einer gemütlichen Nacht zu verbinden und dabei einen Tag Anreise zu sparen ist für viele verlockend und sinnvoll. Spannend finde ich hier zum Beispiel speziell gestaltete Liege-Busse, die im Prinzip wie Nachtzüge funktionieren. Ich selbst bin damit bereits in Vietnam gefahren. Wir könnten in Deutschland da etwas offener denken.

Welche Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Fahrgäste müssen wir verstehen und berücksichtigen, um das Reisen mit dem Bus anstelle des Autos zu fördern?

Menschen reisen gerne mit dem eigenen Auto, weil es eine Art geschützter Raum ist, in dem man sich frei bewegen kann und wenig bis gar nicht mit anderen Menschen interagieren muss. Das Auto bedeutet für viele Menschen immer noch grenzenlose Freiheit und Selbstbestimmung. Der Bus kann an der Stelle aber aufholen – und sich auch bewusst vom Auto durch Gemeinschaftsgefühle abgrenzen. Durch neu gedachte Businterieurs, die eine nötige Intimität und Abgrenzung ermöglichen, könnten diese Bedürfnisse erfüllt werden. Dabei müsste noch mehr Wert auf Qualität statt Effizienz gelegt werden.

Auf der anderen Seite ist der Bus eine wundervolle Möglichkeit neue Menschen kennen zu lernen und das Abenteuer Reisen gemeinsam zu durchleben. Ähnliche wie beim Backpacking ist die Art wie man reist entscheidend dafür, welchen Art von Reise man erleben wird. Zudem bietet der Bus die Möglichkeit an entlegene Orte zu gelangen: Er stillt damit die Sehnsucht Vieler die einzigen an einem noch nie zuvor gesehen Ort zu sein. Reisen wird immer mehr zum Lifestyle, bringt aber auch viele kritische Fragen in Bezug auf den Klimawandel mit sich. Der Bus hat großes Potenzial Reisen in der Zukunft auf eine nachhaltige Weise mit zu gestalten.

Die Digitalisierung schafft völlig neue Formen des Kundenkontakts. Welche Möglichkeiten bieten sich hier für Betreiber, wenn wir an den Bustourismus denken?

Digitalisierung bietet die Möglichkeit eine Busreise noch mehr zu einem Erlebnis zu machen. Beispielsweise können gezielt Informationen zur Strecke während der Fahrt dem Busreisenden zur Verfügung gestellt und die Fenster können als Headup Display zum Einsatz kommen. Damit können die Kunden bequem die Fahrt genießen und etwas über die Fahrtstrecke lernen. Es können aber auch gezielt Informationen durch die Busunternehmen für den Kunden zusammengestellt werden, die den Zielort betreffen. Zum Beispiel über Reiseprogramme am Zielort oder die besten Anschlussverbindungen für die weitere Fahrt. Dabei kann die Busreise zum Full Service Erlebnis für den Kunden werden. Busunternehmen werden damit weniger als reines Beförderungsunternehmen wahrgenommen, sondern als echte Reisebegleiter.

Der Urlaub beginnt mit der Reise sagt man so schön. Wenn wir an Busreisen und vielleicht den Stopp an der Raststätte denken, sind das sehr gemischte Erfahrungen. Kann hier was getan werden?

Leider sind es oft die eher unschönen Erinnerungen an kalte, laute Orte und dreckige Toiletten, die wir mit Stops an Raststätten in Verbindung bringen. Dieses Bild trägt auch immer noch stark zum nachteiligen Image von Busreisen bei. Deshalb sind Raststätten ein wesentlicher Dreh- und Angelpunkt, um Busreisen für mehr Menschen attraktiver zu machen – mithilfe gut gestalteter Raststätten: Orte mit echter Aufenthaltsqualität und zeitgemäßem Essensangeboten abseits von Bockwust und Pommes zum Beispiel. Damit könnte eine bis jetzt noch gar nicht erreichte Zielgruppe angesprochen werden. Raststätten bieten zudem eigentlich die wunderbare Möglichkeit regionale Besonderheiten in Form von ausgewählten regionalen Speiseangeboten oder regionaler Architektur Ausdruck zu verleihen. Sie könnten damit eine individuelle Note entwickeln und Orte voller Vorfreude und Überraschungen werden. Und damit ein echter Teil des Urlaubs.

Wie müssten Pendlerverbindungen aussehen? Als standardisierte Linien oder als On-demand-Verbindungen?

Auf dem Land sind vom Aufgabenträger bestellte Linienverkehre unattraktiv für Pendler. Ich sehe aber ein interessantes Potenzial für Pendelnde vom Land in die Stadt durch Busse, wie sie im Silicon Valley zum Einsatz kommen. Dort fahren hochwertig gestaltete Busse Mitarbeitende der Tech Konzerne in ihre Büros. Das birgt dort natürlich sozialen Sprengstoff. Im Grundsatz ist dieser Service aber attraktiv auch für Stadt-Umland-Beziehungen für Menschen, die in der Stadt arbeiten und ländlich wohnen möchten. Künftig müssten die Nutzenden wegen der Potenzial der mobilen Arbeit wahrscheinlich weniger häufig pendeln. Aber wenn sie dann mal in die Stadt oder ins Büro wollen, nutzen sie eine hochwertige Direktverbindung.

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